Totenkult und Totenefeier in Tana Toraja Sulawesi Indonesien

Sulawesi ist eine der größten Inseln Indonesien mit einer Vielfalt von Kulturen und Völkern. In Zentralsulawesi bin ich auf eine Region gestoßen, die für mich zu den schönsten gehört: das Toraja-Land oder auch Tana Toraja. Zugegeben, nicht leicht zu erreichen, doch die Mühen lohnen sich.

 

Eine Landschaft wie aus einem Buch entsprungen. Der Dschungel ist allgegenwärtig und dazwischen liegen Reis- und Gemüsefelder und alles was weiterhin zum Leben benötigt wird. Die Einwohner leben hier von der Landwirtschaft, die diese Region geprägt hat. Von den Hügeln geht es hinauf bis ins Bergland. Die Gipfel erreichen eine Höhe von bis zu 3.000 m.

Die einmalige Architektur der Wohnhäuser ist eines der Wahrzeichen des Toraja Landes. Die Häuser gleichen Schiffsrümpfen und sind parallel zueinander aufgereiht, bilden somit eine Art Gasse, die links und rechts von Gebäuden gesäumt ist, verziert mit Holzschnitzereien. Bambus und Holz sind die natürlichen Materialien für den Hausbau. Auch wenn alles irgendwie ähnlich erscheint, je nach sozialem Status variieren die dekorativen Elemente an den Häusern.

Die Totenrituale in Tana Toraja Sulawesi

Die Einwohner des Toraja-Landes sind berühmt für ihren Totenkult und den Umgang mit den Verstorbenen. Diese alten Traditionen ließen sich auch in der Neuzeit und der Christianisierung nicht unterdrücken und werden so auch heute noch gelebt. Überall in den Dörfern finden sich irgendwelche Zeichen dieser Rituale. Einerseits sind es die Grabfiguren, Tau Tau-Figuren, die an den Felsengräbern aufgestellt werden. Sie sollen die Verstorbenen symbolisieren. Ja, auch den fröhlichen Umgang mit den Verstorbenen. Reich verzierte Holzsärge werden teilweise an den Felsen aufgehängt. Das Leben mit dem Tod gehört einfach dazu und so werden sogar einmal im Jahr die Körper exhumiert, gewaschen und die mumifizierten Überreste durchs Dorf getragen. Doch bis es zur Beerdigung kommt, kann sehr viel Zeit vergehen. Der Leichnam wird einbalsamiert und zuhause so lange aufgebahrt, bis es zur Totenfeier kommt - das kann mitunter Jahre dauern!

Totenfeier in Tana Toraja

Wenn die Zeit gekommen ist, und das ist ein durchaus beeindruckendes Ereignis, dann findet die Beerdigungsfeier statt. Die Familie der/des Verstorbenen hat je nach Ansehen große Verpflichtungen der eigenen Familie, dem Dorf und auch den Nachbardörfern gegenüber. Derartige Feiern dauern mehrere Tage und aus allen Regionen strömen die Menschen, hauptsächlich in Schwarz und Rot gekleidet, zum Zeremonienplatz, der eigens dafür aufgebaut wird - er ist ein ganz eigenes Dorf.

Es ist eine besondere Ehre, diesem Fest beiwohnen zu dürfen, obwohl ich schon etwas nervös und gespannt bin, was auf mich zukommt. Es ist Tag 1 dieser Feier, die auf drei Tage angesetzt ist, wie mir berichtet wurde. Immer mehr Menschen strömen zum Platz, setzen sich in die überdachten Häuser und beobachten das Treiben, tauschen sich aus. Die Eingeladenen bringen Schweine und Büffell als Gastgeschenke und Opfertiere mit. Musik und Tanz gehören ebenfalls dazu. Es ist eine eher ausgelassene Feier, da führt kein Weg dran vorbei. Von draußen werden die ersten Schweine zum Zeremonienplatz geführt, auf dem Feuer entzündet wurden. Nachdem sich die kleinen Häuser gefüllt haben, werden zunächst einige Schweine mit einer Machete unter den Augen der Priester geopfert. Das gleiche Schicksal steht auch den Büffeln bevor, die noch draußen auf den Wiesen grasen. Denn je höher das Ansehen des Verstorbenen ist, desto mehr Büffel werden geopfert, bis hin den wertvollen weißen Wasserbüffeln. Büffel sind für die Reise ins Jenseits wichtig, je mehr je schneller ist der Weg dorthin. Die geopferten Schweine werden zerlegt und auf dem Feuer irgendwie gegrillt und später an die Besucher verteilt. Schließlich haben viele schon eine längere Anreise hinter sich bringen müssen. Die Feier ist voll im Gange und immer wieder werden die neu Ankommenden über Lautsprecher angekündigt und begrüßt. Es herrscht rund herum reges Treiben und Lärmen. Die mitgebrachten Opfertiere werden aufgelistet, denn es gibt schon die Verpflichtung, mindestens mit gleichen Gaben sich zu revanchieren, denn die nächste Totenfeier kommt bestimmt. Außerhalb des Platzes finden auch Hahnenkämpfe statt, die ebenfalls ein Teil der rituellen Handlung der Beerdigung sind.

Es ist später Nachmittag, es wird weiter geopfert und gefeiert. Irgendwie bin ich froh, dass die Wasserbüffel noch nicht auf dem Programm standen. Das Opfern der Schweine war schon etwas gewöhnungsbedürftig für jemanden, der solche Rituale noch nicht erlebt hatte. Dennoch, es ist schon etwas Einmaliges, einer solchen Feier bewohnen zu dürfen. Es wird nun auch Zeit, diesen Ort zu verlassen, da die Dunkelheit droht, der Dschungel ist dunkel und tückisch. Es heißt nun Abschied nehmen von den Hinterbliebenen, die die Teilnahme ermöglicht hatten, und sich auch über die auswärtigen Besucher gefreut haben. Während ich mich zum Ausgang begebe, drängen immer noch weitere Besucher zum Zeremonienplatz und später sehe ich noch andere, die sich mit Schweinen und Büffeln der Stätte nähern. Es dauert lange, bis der Lärm verhallt ist und ich fange an, das Erlebte zu verarbeiten. Eine neue Erfahrung und ein grandioses Erlebnis.

Anmerkung der Redaktion: Das sind die Momente, die man erleben durfte, die zumindest im Hinblick auf die Trauerfeierlichkeiten sich nicht so häufig wiederholen, weil sie nur sehr selten stattfinden und der Öffentlichkeit nur bedingt zugägig gemacht werden.

Rüdiger B., Redaktion reise trends - ganz besondere Momente

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